„Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange.“ (Jes 11,8). Und es passiert nichts!
Was für eine unglaubliche Verheißung im wahrsten Sinne des Wortes, der der Zweifler auch gleich seine Bedenken entgegensetzt: Hoffentlich weiß das die Schlange auch, dass eine neue Zeit begonnen hat. Die hat ja schon mal nicht besonders gut kooperiert, als es um paradiesische Zustände ging.
Und irgendwann haben Menschen gar keine Schlangen mehr gebraucht, um die Welt und das Leben anderer Menschen zu zerstören. Homo homini lupus – da wohnt der Wolf nicht beim Lamm, sondern wirft höchstens ein paar Bomben aus der Ferne. Knopfdruck genügt. Ein Grund findet sich immer, auch wenn er noch so verlogen ist. Der häufigste: die Umdrehung der Wahrheit. Dann wird das Lamm plötzlich zur Bedrohung für den Wolf – und darf geschlachtet und gefressen werden. Manchmal schlicht deshalb, weil man sich eine Berechtigung schnitzen will (der Wolf im Schafspelz), schlimmer, weil unbewusst, wenn die eigene, frühkindliche Angst vor den Wölfen auf das Lamm projiziert wird, das dann zum Schaf im Wolfspelz wird – und damit zu einer Gefahr, die man mit Recht ausradieren darf, ja muss.
In diesem verdrehten Phantasiereich wird der andere immer zur Gefahr, werden Migranten, die sich zu einem großen Teil bestens integrieren und zum Wohl des Landes beitragen, zu einer finanziellen Gefahr für die Einheimischen (wohlgemerkt bei 9 Billionen (!!) Euro auf den Konten der deutschen Privathaushalte), werden Nachbarn zur Gefahr für das eigene Überleben phantasiert, denen man – am besten prophylaktisch – Land und Leben nimmt. Mit dem Argument, sich nur zu verteidigen – obwohl es gar keine reale Gefahr gibt. Putin lässt grüßen.
Es wäre dringend an der Zeit, sich an den Sohn Gottes, das Reis zu erinnern, das aus dem Baumstumpf Isais wuchs und wenigstens zu versuchen, ihm Raum zu verschaffen in dieser Welt, in den Köpfen, v.a. aber in den Herzen der Menschen. Damit dort wachsen kann, was er den Menschen seiner Zeit und allen folgenden Generationen voraushatte: der Geist der Weisheit und der Einsicht, des Rates, der Stärke, der Erkenntnis, der Ehrfurcht vor dem Höchsten. Damit die Hilflosen und Armen Gerechtigkeit erfahren und die gewalttätigen Mächtigen ihre Grenzen. Damit es wieder einen Weg gibt, der die Menschen in die Freiheit führt. Ein neuer Exodus aus der Sklaverei (Vers 16).
Vorher brauchen wir über Liebe gar nicht zu sprechen. Die gibt es – kollektiv und individuell – nur da, wo es Freiheit gibt. Im messianischen Reich! Noch nur eine Verheißung, die aber manchmal – an einzelnen Orten – schon durchscheint. Gott sei Dank! Er schütze die Liebenden! Sie sind unsere Zukunft.


